Von Automotive zu Legal Tech

Von Automotive zu Legal Tech

Vor genau vier Wochen haben wir angekündigt, dass sich unser Portfolio verändern wird. Was damals noch bewusst vage blieb, hat heute einen Namen und ein eigenes Gesicht:

TaxTronik.

Ein quelloffenes und kostenloses Betriebssystem für Steuerkanzleien.

Wir wissen selbst, wie dieser Satz für unsere Automotive-Kunden klingen muss. Deshalb vorweg: Nein, wir haben nicht den Verstand verloren.

Im Gegenteil.

Zwei Welten, die mehr gemeinsam haben, als man denkt

Auf den ersten Blick könnten Motorsteuergeräte und Steuerkanzleien kaum weiter voneinander entfernt sein. Auf den zweiten Blick beruhen beide Welten jedoch auf einem erstaunlich ähnlichen Grundproblem:

Komplexität muss beherrschbar bleiben.

Wer an kritischer Fahrzeugelektronik arbeitet, lernt sehr schnell, dass Präzision keine Kür ist. Eine Reparatur an einem Motorsteuergerät verzeiht keine schlampigen Prozesse. Es gibt keinen geheimen Trick und keine Abkürzung, mit der sich ein unsauberer Arbeitsablauf dauerhaft kompensieren lässt.

Eine Verbindung ist korrekt oder sie ist es nicht. Ein Messwert ist plausibel oder er ist es nicht. Ein Arbeitsschritt wurde durchgeführt und dokumentiert – oder eben nicht.

Diese Denkweise hat unsere Arbeit in den vergangenen Jahren geprägt.

Und irgendwann wurde uns klar: Warum behandeln wir organisatorische und regulatorische Prozesse eigentlich anders?

Denn gleichzeitig mit der technischen Komplexität steigen in nahezu jedem Unternehmen die bürokratischen und regulatorischen Anforderungen. Datenschutz, Geldwäscheprävention, Dokumentation, Aufbewahrung, Fristen, interne Kontrollen – und mittendrin das Steuerrecht.

Steuern sind für Unternehmen längst kein Beiwerk mehr. Sie sind ein zentraler Bestandteil funktionierender Compliance.

Aber wie kommt eine Automotive-GbR ausgerechnet zur Steuerkanzlei?

Diese Frage ist berechtigt.

Es ist kein Geheimnis, dass die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung innerhalb der Hirschmann & Koxha GbR unser Gesellschafter Rey Koxha ist.

Neben seiner unternehmerischen und technischen Tätigkeit beschäftigt er sich seit Jahren intensiv mit betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Fragestellungen. Hinzu kommt praktische Tätigkeit in einer Steuerkanzlei – also genau dort, wo aus gesetzlichen Anforderungen reale Prozesse werden und aus theoretischen Regeln ganz alltägliche organisatorische Probleme entstehen.

Dabei wurde eine Sache immer deutlicher:

Viele Schwierigkeiten entstehen nicht deshalb, weil Menschen ihre Arbeit nicht beherrschen. Sie entstehen, weil Informationen verteilt sind, Prozesse nicht miteinander sprechen, Fristen separat überwacht werden müssen und wichtige Entscheidungen zwischen E-Mails, Dokumenten, Fachsoftware und persönlichen Wiedervorlagen stattfinden.

Genau dort setzt TaxTronik an.

Was ist TaxTronik?

TaxTronik ist der Versuch, den Kanzleialltag als zusammenhängendes System zu denken.

Mandantenverwaltung, Onboarding und GwG-Prozesse stehen deshalb nicht isoliert neben Dokumenten, Anforderungen oder Fristen. Steuererklärungen und Bescheide können miteinander verknüpft werden. Wiedervorlagen, Workflows und Fristen werden in die Mandantenakte eingebettet. Ein Mandantenportal verbindet Anforderungen, Dokumente, Termine, Auswertungen und weitere Prozesse mit der Kanzlei.

Auch betriebswirtschaftliche Auswertungen, Planungen und BWA-Hochrechnungen sind Bestandteil des Systems.

Und darüber liegt etwas, das für uns wesentlich wichtiger ist als eine möglichst lange Feature-Liste:

Nachvollziehbarkeit.

TaxTronik verfügt deshalb über eine umfassende Audit- und Compliance-Architektur. Vorgänge sollen nicht nur erledigt werden können. Es soll im Nachhinein auch nachvollziehbar sein, was passiert ist, wann es passiert ist und wer beteiligt war.

Das ist letztlich dieselbe Denkweise, mit der wir seit Jahren technische Fehler suchen.

Nicht raten.
Nicht hoffen.
Nachvollziehen.

Software darf den Berufsträger nicht ersetzen

Besonders deutlich wird diese Philosophie in der Risiko- und Kontrollarchitektur von TaxTronik.

Parallel zur technischen Entwicklung beschäftigt sich Rey Koxha auch wissenschaftlich mit der systematischen Steuerung steuerlicher Risiken. Ein entsprechender Fachbeitrag im Deutschen Steuerrecht (DStR) bildet einen Teil des fachlichen Fundaments, auf dem die Risiko- und Kontrolllogik von TaxTronik aufbaut.

Dabei verfolgen wir einen Grundsatz, der uns besonders wichtig ist:

TaxTronik ersetzt keine fachliche Entscheidung.

Eine Software kann Sachverhalte strukturieren, Auffälligkeiten markieren, Informationen zusammenführen, Normbezüge sichtbar machen, Aufgaben delegieren und Entscheidungen dokumentierbar machen.

Aber sie ist kein Steuerberater.

Das System soll deshalb gerade nicht möglichst selbstbewusst behaupten, die richtige Antwort zu kennen. Es soll dafür sorgen, dass die Person, die diese Antwort fachlich verantwortet, die richtigen Informationen an der richtigen Stelle erhält und ihre Entscheidung nachvollziehbar treffen kann.

Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz bleibt dieses Prinzip bestehen: KI kann unterstützen, Muster erkennen oder zusätzliche Hinweise liefern. Die fachliche Bewertung bleibt beim Menschen.

Vom Fehlerfinden zum Fehlervermeiden

Vielleicht ist genau das die eigentliche Verbindung zwischen Automotive und Legal Tech.

Bei der Reparatur eines Steuergeräts versuchen wir, einen bereits eingetretenen Fehler reproduzierbar zu finden.

Bei TaxTronik versuchen wir, Strukturen zu schaffen, durch die Fehler möglichst gar nicht erst unbemerkt entstehen.

Das Werkzeug ist ein anderes. Die Denkweise ist dieselbe.

Welche Information fehlt?
Wo liegt ein Risiko?
Wer ist verantwortlich?
Welche Kontrolle greift?
Was passiert, wenn sie nicht greift?
Und können wir das später noch nachvollziehen?

Aus diesen Fragen ist TaxTronik entstanden.

Nicht in einem klassischen Softwarehaus. Nicht aus einem Lastenheft. Und auch nicht aus der Idee heraus, einfach noch eine weitere Kanzleisoftware auf den Markt zu bringen.

Sondern aus praktischen Erfahrungen in zwei Welten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

Und warum kostenlos und quelloffen?

Weil wir davon überzeugt sind, dass grundlegende Werkzeuge zur Beherrschung von Prozessen und Risiken nicht hinter immer neuen Abhängigkeiten verschwinden müssen.

TaxTronik soll überprüfbar, veränderbar und weiterentwickelbar sein. Kanzleien sollen selbst entscheiden können, welche Module sie benötigen und wie sie ihre technische Umgebung gestalten.

Vor allem aber möchten wir etwas zurückgeben.

Die Hirschmann & Koxha GbR ist durch eine internationale Gemeinschaft von Menschen gewachsen, die Wissen geteilt, Probleme gemeinsam gelöst und technische Grenzen immer wieder infrage gestellt hat.

Diese Mentalität nehmen wir jetzt mit in eine neue Branche.

Von Automotive zu Legal Tech.

Vielleicht ist der Weg ungewöhnlich.

Für uns ist er inzwischen vollkommen logisch.

TaxTronik. Control at scale.